Mehrheit der Gesellschaft hält Geldanlagen in Atomkraft für nicht nachhaltig

Auf europäischer Ebene wird derzeit an einer Klassifizierung für nachhaltige Investments, der sogenannten Taxonomie, gearbeitet. Diese wird festlegen, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten sollen und somit auch durch Finanzprodukte, die sich nachhaltig nennen, finanziert werden können. Aufgrund von Konflikten zwischen den EU-Mitgliedstaaten – Frankreich insbesondere setzt sich für die Atomkraft ein – hat die EU-Kommission die Entscheidung über die Frage, ob Atomkraft als nachhaltig definiert werden soll, bisher ausgeklammert und plant, dazu im Herbst die entsprechenden Detailregeln in Form eines delegierten Rechtsakts vorzulegen.

Um herauszufinden, ob ein Nachhaltigkeits-Standard für Finanzprodukte, der Atomkraft einschließt, in Deutschland glaubwürdig wäre, haben wir eine Umfrage in Auftrag gegeben. Befragt wurde eine repräsentative Gruppe von 1009 Personen ab 18 Jahren im Rahmen einer Telefonumfrage.

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • 82 Prozent der Bürger ab 18 Jahre würde eine Geldanlage, bei der das Geld auch in Atomkraft angelegt wird, nicht als „nachhaltige Geldanlage“ bezeichnen.
  • 15 Prozent würden eine solche Geldanlage als nachhaltig ansehen.
  • Die übrigen Personen haben keine Angabe gemacht.
Ein Nachhaltigkeits-Standard für Finanzprodukte, der auch Investments in Atomkraft erlaubt, ist in Deutschland also nicht glaubwürdig. Sollte die EU-Kommission Atomkraft in ihrem Rechtsakt als nachhaltig definieren, muss sie damit rechnen, dass die Taxonomie insgesamt in Deutschland sich nicht als relevanter Standard für nachhaltige Investments durchsetzen wird.

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Das Thema nachhaltige Geldanlage und die Frage, welcher Bank wir unser Geld anvertrauen, gewinnen genauso an Aufmerksamkeit wie die Bedrohung des Finanzsystems als Ganzes durch den Klimawandel.

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