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Presse­mitteilung

Europas Stablecoin-Regeln unterschätzen die Macht von Big Tech

03.06.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Debatte über Stablecoins nimmt in Europa Fahrt auf. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt zunehmend vor Risiken für Finanzstabilität und die Steuerungsfähigkeit der Geldpolitik durch die Verbreitung großer Stablecoins. Doch eine zentrale Gefahr bleibt bislang weitgehend unbeachtet: die Rolle von Big Tech wie Meta und Amazon. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse von Finanzwende Recherche. Demnach könnten die Technologie-Konzerne mit eigenen Stablecoins innerhalb kurzer Zeit systemrelevante Größen erreichen und damit erheblichen Einfluss auf Zahlungsverkehr und Finanzsysteme gewinnen.

Stablecoins sind digitale Vermögenswerte, deren Wert an staatliche Währungen wie den Euro oder US-Dollar gekoppelt ist. Für Big Tech könnten sie weit mehr sein als bloße zusätzliche Zahlungsmittel: Als integrierte Bezahlsysteme innerhalb etablierter Plattformen könnten sie Nutzer*innen stärker an die jeweiligen digitalen Ökosysteme binden und so ihre Marktmacht weiter ausbauen.

„Die aktuelle Debatte über Stablecoins greift zu kurz. Es geht nicht nur um neue digitale Zahlungsmittel, es geht um die Macht der Konzerne dahinter“, sagt Carolina Melches, Referentin für Digitalisierung bei Finanzwende Recherche . „Wenn Big Tech wie Meta oder Amazon mit Stablecoins eigenes privates Geld in ihre enormen Plattformen integrieren, könnte dieses extrem schnell skalieren. Die Konzerne werden so zu systemisch relevanten Akteuren im Finanzsystem.“

Die Analyse verweist auf das gescheiterte Stablecoin-Projekt Libra des Facebook-Konzerns (später Meta). Das Vorhaben war 2019 nach massiver Kritik von Aufsichtsbehörden und Politik gestoppt worden. Die damaligen Bedenken, etwa hinsichtlich Finanzstabilität, Marktmacht und staatlicher Kontrolle, seien heute jedoch aktueller denn je. Gleichzeitig sieht Finanzwende Recherche eine regulatorische Lücke: Das europäische Krypto-Regelwerk MiCA fokussiere vor allem den Stablecoin selbst, nicht aber die enorme Reichweite und die Netzwerkeffekte der dahinterstehenden Plattformkonzerne.

„Was bei Libra als Gefahr erkannt wurde, wird heute regulatorisch nur unzureichend berücksichtigt“, sagt Melches. „Die eigentliche Sprengkraft entsteht nicht durch den Stablecoin allein, sondern durch die Milliarden Nutzerinnen und Nutzer, die Big Tech bereits heute erreichen.“

Die Analyse warnt zudem vor veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen. In den USA werden Stablecoins zunehmend als strategisches Instrument diskutiert; zugleich wächst die Sorge vor einer stärkeren globalen Dominanz dollarbasierter digitaler Zahlungssysteme. Die EZB selbst verweist inzwischen auf Risiken für die europäische Geldpolitik und die Gefahr einer stärkeren Abhängigkeit von privaten digitalen Währungen.

Vor dem Hintergrund des frühen Stadiums von Big-Tech-Stablecoins in den USA und der EU fordert Finanzwende Recherche eine rasche und proaktive europäische Antwort. Zum Schutz der Finanzstabilität und der monetären Souveränität Europas, schlägt die Analyse eine sogenannte Souveränitätsklausel mit einem kategorischen Verbot speziell von Big-Tech-Stablecoins im Rahmen der Verordnung zum digitalen Euro vor. Diese sollte zusätzlich zur bestehenden faktischen Fall-zu-Fall-Verbotmöglichkeit systemgefährdender Stablecoins eingeführt werden. Ziel müsse es sein, besonders riskante Big-Tech-Stablecoins frühzeitig zu begrenzen, bevor sie systemrelevante Größen erreichen.

„Big Tech wie Meta oder Amazon sind heute schon zu groß und zu mächtig“, sagt Melches. „Wenn sie erst einmal eigene private Währungen mit Milliarden Nutzerinnen und Nutzern etabliert haben, wird ihre Regulierung im derzeitigen geopolitischen Kontext extrem schwierig. Deshalb braucht es jetzt klare europäische Leitplanken für Big-Tech-Stablecoins.“

Zur gesamten Analyse: www.finanzwende-recherche.de/unsere-themen/digitalisierung-finanzsektor/too-big-to-stablecoin

Über Finanzwende Recherche

Finanzwende Recherche ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Bürgerbewegung Finanzwende. Die Organisation hat sich das Ziel gesetzt, für Aufklärung und kritische Debatten in der Finanzwelt zu sorgen. Dazu erstellt die Denkfabrik Konzepte, Analysen und Studien zu unterschiedlichen Themen und bereitet diese für Öffentlichkeit und Politik auf.

Bei Fragen und Interviewwünschen können Sie gerne auf uns zukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Henriette Pflug
Finanzwende Recherche
Motzstraße 32, 10777 Berlin
Mobil: +49 160 94 94 1837

presse@finanzwende-recherche.de 

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